Metron

Anker

Sara Rohner
November 2010 bis Mai 2011

Mit grosser Selbstverständlichkeit schwebt eine Flotte unterschiedlich grosser Papierschiffe durch den Raum, als würden sie durch grenzenlose Gewässer schwimmen. Tief unter ihnen liegt der von Erde bedeckte Boden mit den Verankerungen, die so fein sind, dass man sie frühestens auf den zweiten Blick bemerkt. 

Sara Rohners Installation ist fragil. In Form kleiner Bleikugeln liegen die Anker auf der Erde verstreut, die aus dem Garten von Sara Rohners Elternhaus stammt – dem Ort ihrer Kindheit. Und an Kindheit erinnern auch die Schiffchen, die aus Zeitung gefaltet sind, einem Material, das im gegenwärtigen Schaffen der Künstlerin sehr wichtig ist.
Die Zeitung ist für uns etwas Selbstverständliches: Sie kommt jeden Morgen. Nach dem Lesen legt man sie weg, aber gewisse Dinge bleiben hängen, sie fliessen in den Alltag mit ein, ob man will oder nicht. Botschaften berühren, sind in Bewegung – wie Schiffe. Und sie werfen Wellen.

Erde, Zeitung, (gedachtes) Wasser: Wir benützen diese Dinge, aber wir betrachten sie selten in Vitrinen. Wenn wir’s nun doch tun, den Brutkasten umschreitend, sehen wir sie losgelöst aus ihrer normalen Umgebung, reduziert und in neuer, ungewöhnlicher Kombination.

Unserem Zugriff entzogen wird Zeitung für einen Moment zu Schiff, Erde zu Anker, Luft zu Wasser. Auf Elementares reduziert ist aber nicht nur die Szene, sondern auch unsere Rolle: Wir sind Zuschauer mit der Möglichkeit, einen neuen Blick und neue Assoziationen zu gewinnen.

Installation:
Papierfaltschiffe aus Zeitungsausschnitten, Silchfaden transparent und blau, Fischerblei, Seeländer Erde, Plexiglas bemalt und vergoldet.