Metron

«Fahrwasser» von Marck im Brutkasten

Von weitem leuchten sie wie türkisfarbene Kristalle: Erst beim Näherkommen erkennt man, dass es kleine Monitore sind, die eine Frau in einer sehr, sehr engen, mit Wasser gefüllten Kiste zeigen. Der schimmernde, türkisfarbene Hintergrund, die Haare, die sich auf dem Wasser zur Blüte auffächern, die erstaunlich ausladenden Bewegungen, … Das ist ästhetisch,  irritierend und intim.

Zwanzig Minuten dauert die Projektion. In dieser Zeit erfahren wir aber keine Geschichte, sondern sehen Bewegungen in Echtzeit − ein Eintauchen in den Augenblick. Die Themen Wasser und Freiheit beschäftigen den Zürcher Künstler immer wieder, aber die Aussage seiner Kunstwerke bleibt stets offen. In «Fahrwasser» ist es eine Ambivalenz zwischen Wohlgefühl und klaustrophobem Albtraum. Dass viele Betrachter das Werk für das Selbstporträt einer Künstlerin halten, macht die Frage der Deutung umso spannender.

Entstanden ist das Werk in etwas anderer Ausformung bereits 2008 unter dem Titel «Türkisches Bad». Es reflektierte damals die Stellung der Frau in der Türkei: Freiheit ja, aber limitiert. Egal unter welchem Titel man das Werk betrachtet, es bleibt rätselhaft: Könnte die Frau nicht ausbrechen? Dass sie sich eben nicht auflehnt, sondern wohlzufühlen scheint, löst Irritation aus. Gleichzeitig kann man sich dieser unbeirrbaren Gelassenheit der Frau nicht entziehen, die im Augenblick verweilt, ohne ein Ziel zu verfolgen. Ist das eine Botschaft? Anleitung zur Meditation? Ist ihr Ziel nicht Flucht, sondern eine andere Art, die Dinge zu sehen?

«Fahrwasser» ist bis Oktober 2017 ausgestellt.